Bei Ayurveda geht es hauptsächlich darum, die Gesundheit zu fördern und Krankheiten zu vermeiden, denn Gesundheit bedeutet in Harmonie mit sich und der Umwelt zu sein. Dieser Einklang soll durch die Balance der drei elementaren Lebenskräfte (auch Körpersäfte oder Doshas genannt) Vata, Pitta und Kapha erreicht werden. Laut ayurvedischer Ansicht liegt eine Erkrankung vor, weil eines der Doshas zu stark ausgeprägt ist. Beeinflussen kann man diese Lebenskräfte durch Ernährung, Klima, Jahreszeiten, Lebensstil und Gefühle. Gelangen überschüssige Körpersäfte in die physischen und energetischen Kanäle des Körpers, wird der Fluss und damit die Versorgung des Körpers, gestört. Diese Kanäle (Srotas genannt) beruhen auf dem westlichen System der Blut- und Lymphgefäße sowie auch auf dem, aus der chinesischen Medizin stammenden, Meridianensystem. Um eine Diagnose zu stellen, wird der Zustand der Doshas ermittelt, was durch eine Puls- und Zungendiagnose, Untersuchung des Bauches und Befragung des Patienten erfolgt. Basisdaten über die zu behandelnde Person liefert die so genannte „Prakriti“-Analyse, welche einen Überblick über die astrologische Geburts-Konstellation, Umstände der Zeugung und der Schwangerschaft liefert.
Die drei Doshas im Einzelnen:
Vata - Element Luft: Vata ist das elementarste Element. Es bringt die Knochen hervor und hält die Atmung sowie die Bewegung aufrecht. Es fördert nicht nur die geistige Verständnis- und Anpassungsfähigkeit, sondern ist auch für die sinnliche und mentale Balance zuständig. Vata sind folgende Eigenschaften zugeschrieben: trocken, leicht, kalt, rau, feinstofflich und antreibend. Ansässig ist es vor allem im Dickdarm. Durch einen Überschuss an Vata ergeben sich folgende Beschwerden bzw. Erkrankungen: Hyperaktivität, Gewichtsverlust, Zittern, Verspannungen, Verstopfung, Verlangen nach Wärme, Schlaflosigkeit, Sinnesstörungen, Sprachunfähigkeit, Benommenheit, Verwirrung und Depression. Vata werden daher vor allem folgenden Krankheiten zugeschrieben: Störungen des Nervensystems, Epilepsie, Lähmungen, Arthritis, Schlafstörungen. Dominiert Vata in einem Menschen, ist dieser meist ungewöhnlich groß bzw. klein, dünn und besitzt einen unterentwickelten Körper mit hervortretenden Knochen. Diese Menschen neigen auch oft zu Furcht und Ängstlichkeit, Unentschlossenheit, Vergesslich- und Sprunghaftigkeit.
Pitta – Element Feuer: Pitta ist für die chemischen und Stoffwechsel-Prozesse im Körper verantwortlich. Weiterhin bringt es das Blut hervor und steuert die Körpertemperatur. Im Zusammenhang steht es mit der körperlichen und auch mentalen Verdauung. Pitta sind folgende Eigenschaften zugeschrieben: ölig, scharf, heiß, leicht, unangenehm riechend, beweglich, flüssig. Ansässig ist Pitta vor allem im Dünndarm. Durch einen Überschuss an Pitta ergeben sich folgende Beschwerden bzw. Erkrankungen: Gelbfärbung des Stuhls sowie des Harns, der Augen und der Haut, Hunger, Durst, innere Hitze, Fieber, Entzündungen, Infektionen. Pitta werden daher vor allem folgende Krankheiten zugeschrieben: fiebrige, infektiöse Erkankungen, Leberstörungen, Magengeschwüre, Übersäuerung, Furunkel bzw. Abszesse, Hautausschläge. Dominiert Pitta in einem Menschen, ist dieser von mittlerer Größe. Der Körper ist mäßig entwickelt und muskulös. Diese Menschen neigen oft zu Wut, Ärger und Reizbarkeit, er ist kritisch und hat einen starken Willen.
Kapha – Element Wasser: Kapha bildet den Großteil des Körpergewebes, sorgt für die Substanz und auch für die positiven Emotionen wie z. B. Liebe, Mitgefühl, Geduld, Vergebung. Kapha werden folgende Eigenschaften zugeschrieben: nass, kalt, schwer, dumpf, klebrig, weich, fest. Ansässig ist Kapha vor allem im Magen. Durch einen Überschuss an Kapha ergeben sich folgende Beschwerden bzw. Erkrankungen: eingeschränkte Verdauung, Übergewicht, Übelkeit, Blässe, Husten, Atemprobleme, geschwollene Gelenke, Lethargie, Schwere, Aktivitätsmangel, erhöhtes Schlafbedürfnis. Kapha werden daher vor allem folgende Krankheiten zugeschrieben: Asthma, Bronchitis, Erkältungen, Grippe, geschwollene Drüsen, Ödeme, gutartige Tumore. Dominiert Kapha in einem Menschen, ist dieser meist klein, stämmig und untersetzt und hat einen gut, zu Fettleibigkeit neigenden, entwickelten Körper. Diese Menschen neigen oft zu Sentimentalität und Romantik. Sie sind langsam, konservativ und schüchtern.
Haben Erkrankungen physikalische bzw. biologische Gründe (z. B. Ungleichgewicht der Säfte und Energien im Körper), erfolgt eine Behandlung mit Kräutern, Ernährungsumstellung, Mineralien, Körperarbeit, Yoga und in schweren Fällen durch eine Operation. Um die Balance wieder herzustellen werden Fastenkuren, Ölmassagen, Bäder, Erbrechen, Einläufe oder Aderlass durch- bzw. herbeigeführt. Hat die Erkrankung hingegen eine „schicksalhafte“ Ursache (z. B. Irrtümer, die in diesem oder in einem früheren Leben begangen wurden), erfolgt die Behandlung durch eine Änderung des Lebensstils bzw. der Lebenseinstellung. Zum Einsatz kommen dabei die Ordnungstherapie, Edelsteine, Yoga, Mantras, Gebete, Meditationen und geistiges Heilen.
Zu den 6 Geschmacksrichtungen:
Bei Ayurveda spielen die 6 Geschmacksrichtungen bei Behandlungen mit Kräutern, Nahrungsmitteln und Mineralien ebenfalls eine essentielle Rolle. Jede dieser Geschmacksrichtungen besitzt eine andere Wirkung, jedoch werden von einem Menschen alle Geschmacksrichtungen benötigt, um die Gesundheit zu erhalten. Da sich der Körper aus dem zusammensetzt, was er aufnimmt, wird der Ernährung bei Ayurveda besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Bei erhöhter Zufuhr einer bestimmten Geschmacksrichtung kann es im Übrigen auch zu einem Ungleichgewicht des Körpers kommen.
Süß: Diese Geschmacksrichtung baut Körpergewebe nicht nur auf, sondern verstärkt es auch. Zudem dient der süße Geschmack als mildes Abführmittel und beruhigt die Schleimhäute. Der Geist wird harmonisiert und die Zufriedenheit gefördert. „Süß“ erhöht Kapha am meisten und ist auch die wichtigste Geschmacksrichtung, da sie den höchsten Nährwert besitzt. Dieser Geschmacksrichtung werden die meisten Nahrungsmittel zugeordnet, jedoch schadet zuviel süße Nahrung der Milz sowie der Bauspeicheldrüse und bildet Toxine.
Salzig: Diese Geschmacksrichtung wirkt beruhigend sowie abführend und die Verdauung wird leicht angeregt. Zudem verursacht sie Erbrechen. „Salzig“ verringert Vata am stärksten. Ein zu starker Konsum von salziger Nahrung kann zu Schädigungen der Niere und des Gewebes führen, weiterhin wird die Haut faltig und es kann zu Haarausfall kommen.
Sauer: Diese Geschmacksrichtung wirkt anregend und nährend. Sie vertreibt Gase und lindert den Durst. Zudem wird ein Großteil der Gewebebildung gefördert. „Sauer“ erhöht Pitta am meisten. Jedoch kann ein Verzehr von zuviel saurer Nahrung zu einer Schädigung der Leber führen und einer Übersäuerung des Körpers.
Scharf: Diese Geschmacksrichtung hat eine stimulierende Wirkung auf das Abwehrsystem. Des Weiteren wirkt sie schweißtreibend und verbessert den Stoffwechsel. Sie löst Stauungen und fördert auch die Organfunktionen. „Scharf“ verringert Kapha am meisten. Ein zu starker Konsum von scharfen Lebensmitteln schädigt die Lunge und trocknet sie aus.
Bitter: Diese Geschmacksrichtung hat eine blutreinigende und entgiftende Wirkung. Das Körpergewebe wird durch sie verringert und die geistige Leichtigkeit gefördert. Zur Verwendung kommt er gemeinsam mit dem zusammenziehenden Geschmack bei Fieber, Infektionen und Verletzungen. „Bitter“ erhöht Vata am meisten. Ein starker Verzehr von bitteren Nahrungsmitteln kann jedoch zu Kälte und Erschöpfung führen. Des Weiteren kann das Herz geschädigt werden. Durch einen Mangel hingegen bilden sich Toxine im Körper.
Zusammenziehende Geschmack: Diese Geschmacksrichtung stoppt Blutungen, zu starkes Schwitzen und Durchfall. Die Heilung von Haut und Schleimhäuten wird gefördert und das Gewebe gestrafft. Besonders Mineralstoffe sind in Nahrungsmitteln mit dem zusammenziehenden Geschmack stark vertreten. Jedoch kann eine zu hohe Zufuhr dieser Geschmacksrichtung zu einem Schaden am Dickdarm führen und Kontraktionen auslösen.
Zu den Therapieformen – aufgeführt werden einige Beispiele, die zum einen Reduktionstherapien zur Reinigung und Tonisierungstherapien zur Nährung des Körpers sind:
- Pancha Karma (Reinigungstherapie durch Einläufe, Nasenspülungen, Abführen, Erbrechen, Aderlass)
- Abhyanga (sanfte Massage)
- Vishesh (Tiefenmassage)
- Garshan (Kombination aus Öl- und Trockenmassage)
- Udvarthana (Massage mit gewebeaktivierenden Substanzen)
- Pizzichilli (sanfte Ganzkörpermassage unter fließend-warmem Öl)
- Svedana (Kräuterdampfbad)
- Basti (Einläufe mit reinigender, beruhigender bzw. nährender Wirkung)
- Shirodhara (warmer, gleichmäßiger Ölstrahl auf Stirn und Schläfen)
- Shirobasti (beruhigendes Einwirken eines Kräuterölbades auf den Kopf)
- Nasya (vitalisierende, ausleitende Kopfbehandlung)
- Netra Tarpana (Augenbehandlung)
- Rasayana Therapie (Schönheit und Verjüngung)
- Kamasutra Ayurveda und Tantra (Stimulation erogener Zonen und Erregungslenkung)
- Marma-Therapie (ähnlich Akupunktur bzw. Akupressur)
- Aroma-Therapie (ätherische Öle und Räuchersubstanzen)
- Yoga (meditative Körperübungen)
- Pranayama (Atemlenkung)
- Meditation (Übungen zur Geistesberuhigung)
- Mantra-Therapie (Singen verschiedener Silben, z. B. Om)
- Edelstein-Therapie (Ausgleich der Aura und kosmischer Einflüsse)
- Farb-Therapie (Geist und Emotionen werden harmonisiert)
- Vastu (architektonische Maßnahmen)
- Alchemie
Mit Ayurveda werden meist – gerade im Westen – Migräne, Schlafstörungen, Bluthochdruck und psychosomatische Störungen behandelt. Des Weiteren wird diese Therapieform zur Linderung von Beschwerden und chronischen Erkrankungen eingesetzt. Die Therapien brauchen viel Zeit und benötigen einen hohen Aufwand, z. B. wird die Wirkung der Lebensstiländerung erst nah mehreren Monaten sichtbar. Das Leben der Patienten muss im Gleichgewicht sein, bzw. ins Gleichgewicht gebracht werden, da die Therapie sonst nicht anschlägt, denn Stress bzw. eine ungesunde Ernährung beeinträchtigen oder heben die Wirkung von Ayurveda auf. Selbstverständlich sollte Ayurveda nicht als alleinige Behandlungsmethode bei schweren Erkrankungen gewählt werden. Es sollte immer ein Arzt konsultiert werden, damit keine Erkrankung übersehen und entsprechende angemessene Behandlungen vorgenommen werden.