Die gymnastischen Elemente und meditativen Übungen stärken die Lebensenergie des Einzelnen und sollen körperlich, geistig und seelisch flexibler machen. Wobei sich Qi mit Atem, Energie und Lebensenergie übersetzen lässt und Gong bedeutet Pflege, Übung und Arbeit. Man unterscheidet zwei Arten von Qigong: Dong Gong, das bewegte Qigong und Jing Gong, das stille Qigong. Qigong entspannt nicht nur den Körper, es befreit zusätzlich den Kopf, fördert die Gesundheit, tröstet und gibt innere Kraft. Es ist eine Selbstheilungsmethode. Eingesetzt wird Qigong auch um Krankheitsverläufe zu verbessern, wie z. B. bei Rheuma, Nervenerkrankungen, Krebs, Tinnitus oder Asthma. Auch in der asiatischen Kampfkunst stellt Qigong einen wichtigen Aspekt der Übung und Entfaltung von innerer und äußerer Kraft dar. Das Ziel von allen Qigong-Übungen ist es, die Präsenz des gegenwertigen Momentes zu stärken, den eigenen Qi-Fluss wahrzunehmen und diesen in ein dynamisches Gleichgewicht zu wandeln.
Der Ansatz von Qigong beruht auf der chinesischen Philosophie der beiden Pole Yin und Yang, also anziehenden und abstoßenden Polen. Jeder Körper hat Yin- und Yang-Anteile und Yin-Yang-Organe. Diesen Organen sind die sogenannten Meridiane zugeordnet, die durch den Körper fließen und die Energie leiten. Im Übrigen liegen auf den Meridianen die Akupunkturpunkte. Ist der Energiefluss im Einklang, ist alles in Ordnung und man fühlt sich gesund. Durch eine Blockade des Flusses entstehen jedoch Missempfindungen und dadurch letztendlich auch Krankheiten. Qigong bringt das Meridianensystem wieder in Einklang und die Organe werden wieder ausreichend versorgt. Der Mensch wird sowohl äußerlich, durch ungünstige Umweltbedingungen wie z. B. Hitze, Kälte und Feuchtigkeit und auch innerlich, durch verstärkte Emotionen bzw. negative Einstellungen, belastet.
Der Körper hat drei verschiedene Energiezentren, die, wie der Name bereits sagt, die Energie speichern. Das Zentrum liegt im Bauchraum, das mittlere Energiezentrum um das Herz und das obere im Kopfraum. Das Gebiet, in dem sich alles sammelt „Dan Tian“, also „das Meer der Energie“. Durch Qigong lernt man, diese Mitte wahrzunehmen. Am Ende einer Qigong-Übung wird die Energie stets in den Bauchraum gelenkt. Sie wird dort verdichtet, um sie bei Bedarf ausschöpfen zu können.
Wer Qigong praktizieren möchte sollte Zeit mitbringen und offen für Neues sein. Schon wer selten übt, tut sich und seinem Körper etwas Gutes. Ideal ist es jedoch, wenn man Qigong täglich praktiziert und in den Alltag integrieren kann. Durch einen Kurs fällt der Einstieg leichter und eventuelle Fehler werden vermieden. Zudem braucht man auch Erfahrung und ein gewisses Gefühl, um das Qi im Körper zu spüren. Bei Qigong spielt das Alter keine Rolle, auch schon bei Kleinkindern können Qigong-Massagen angewendet werden. Die Übungen sich vielfältig und können bei jedem Menschen eingesetzt werden, da sie sanft, geschmeidig, langsam und ungezwungen sind. Sie Vereinen eine aufeinander angepasste Verbindung von Aufmerksamkeit, Atmung und Bewegung. Die Übungen können im Liegen, Sitzen, Stehen und Gehen durchgeführt werden. Im Qigong gibt es über 1000 verschiedene Übungsarten bzw. Stile, die über 60.000 einfach zu erlernende Körper-, Atem- und Visualisierungsübungen mit verschiedenen Schwerpunkten beinhalten. Zudem wird es in fünf Hauptgruppen unterteilt: Taoistische Form, Form des Konfuzius, Buddhistische Form, Form der Kampfsportarten und die medizinische Form.
Durch Qigong wird die körperliche, seelische und geistige Beweglichkeit gefördert, zudem kann es Heilungsprozesse positiv beeinflussen. Krankheiten vorbeugen und das Immunsystem stärken Die Übungen regulieren bzw. harmonisieren den Blut-, Lymph- und Energiefluss im Körper. Auf das Nervensystem wirkt es regulierend, es fördert die Konzentrationsfähigkeit, verbessert die Stimmungslage und auch die Selbstwahrnehmung. Die Lebenskraft Qi wird durch die Konzentration auf eine tiefe, bewusste Atmung besonders aufgenommen. Der Körper wird mit Energie versorgt, wenn die Energie durch die Wirbelsäule fließt. Es lehrt Entspannung und somit auch Aufnahmefähigkeit sowie Entschiedenheit, also auch Struktur und Klarheit. Durch diese zwei Faktoren lernt man mit anderen zu kommunizieren und Ordnung in das Leben und die Seele zu bringen. Somit geht es einem auch gesundheitlich besser. Qigong ist aber kein Heilmittel, welches eine ärztliche Behandlung ersetzt, sondern kann vielmehr die Behandlung unterstützen.
Qigong bei Asthma
Nachgewiesen wurde, dass Qigong Asthma beeinflussen kann. Die Lungenfunktion verbesser sich deutlich, die Patienten benötigten weniger Medikamente und fehlen weniger auf Arbeit. Durch die Atmung lässt sich die Energie besser im Körper verteilen.
Qigong während der Schwangerschaft
Durch Qigong bekommt man eine bessere Kondition und hilft auch bei der Übelkeit der ersten Monate. Zudem reguliert es den Blutdruck und hilft die Schwierigkeiten im Wirbelsäulenbereich besser zu handhaben. Durch die Atmung und die Vorstellung bereitet es auch auf die Geburt selbst vor. Die Dosierung der Schmerzmittel kann z. B. reduziert werden und die Eröffnungswehen fallen wesentlich kürzer aus.
Qigong für Kinder
Durch die Übungen, die u. a. mit Geschichten und Vorstellungen verknüpft werden, wird die Fantasie der Kinder schnell angeregt. Wodurch sich die Lust entwickelt, die Bilder körperlich auszudrücken und diese spielerisch zu weiterzuentwickeln. Sie erfahren ihre eigene Kreativität und haben Spaß an den Wandlungsmöglichkeiten ihrer eigenen Vorstellungen. Dadurch werden die Kinder ausgeglichener, ruhiger und konzentrationsfähiger, wodurch z. B. die Wahrnehmungs- und Kontaktfähigkeit gesteigert wird.
Durch spezielle Übungen nach den fünf Elementen (Wasser, Holz, Feuer, Erde, Metall) können gerade Frauen für mehr Wohlbefinden sorgen. Laut der chinesischen Lehre spiegeln sich die fünf Elemente der Natur in energetischen Eigenschaften in unserem Körper wieder. Sind diese Elemente im Gleichgewicht fühlt man sich gut, sollte dies nicht der Fall sein, kann es zu körperlichen und seelischen Beschwerden kommen.
Wasser-Element
Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe, Blasenschwäche und Schmerzen im Rücken treten oft auf, wenn das Wasser-Element nicht im Gleichgewicht ist. Man ist häufig niedergeschlagen und hat Komplexe.
So geht’s: Das Beckenschwingen hilft. Entspannt hinstellen, die Hände zur Taille und um sie herum nach hinten führen, die Handrücken nun auf die Nieren legen. Mit dem Becken nun 2 bis 5 Minuten in eine Richtung kreisen. Anschließend die Richtung wechseln. Bei der Übung die Schultern entspannen und die Hände nach einer Weile locker hängen lassen und mitkreiseln.
Holz-Element
Bei einer Schwäche im Holz-Elemtn, hat man oftmals Probleme während der Menstruation und mit der Verdauung. Man fühlt sich gereizt und unausgeglichen.
So geht’s: Breitbeinig hinstellen und die Arme beim Einatmen seitlich nach oben heben, sodass sich die Handflächen zum Himmel öffnen. Anschließend ausatmen, die Finger verschränken, wieder einatmen und den Körper nach links beugen. Die Schultern bleiben dabei gerade. Nun wieder einatmen und zurück in die Senkrechte gehen. Die Hände nun lösen und die Arme senken. Die Übung mehrere Male wiederholen.
Feuer-Element
Störungen des Feuer-Elements zeigen sich oft in Hitzewallungen, Schlafproblemen, kalten Händen, Nervosität und Gefühlschaos.
So geht’s: Bei dieser Übung am besten vorstellen, dass man vor einem Baum steht. Breitbeinig hinstellen und beide Arme langsam vor den Körper heben, so als wolle man den Stamm entlangstreichen. Die rechte Hand greift nun quasi in den „Stamm“. Nun den rechten Arm öffnen und die linke Hand zum Herzen führen. Mit der linken Hand nun alles Negative aus dem Herzen schieben. Die Übung wiederholen, dabei die Arme immer auf Herzhöhe halten und die Schultern entspannen.
Erd-Element
Ist das Erd-Element nicht im Gleichgewicht, hat man oft ein schwaches Bindegewebe, man fühlt sich energielos, grübelt viel und fühlt sich „leer“. Mit dem milz-stärkenden Gehen kann man neue Energie gewinnen.
So geht’s: Die rechte Fußspitze setzt man neben den link Fuß und die link Hand hält man etwa eine Handbreit unter dem Nabel. Mit rechts macht man nun einen Schritt nach vorn, setzt die Ferse auf und rollt den Fuß ab. Dabei die Arme rund ausbreiten und den Körper leicht nach rechts drehen. Nun einmal tief einatmen. Beim Ausatmen geht man einen Schritt mit links und dreht den Körper dabei nach links. Die Übung 5 bis 10 Minuten langsam wiederholen.
Metall-Element
Eine Schwäche im Metall-Element spiegelt sich oft in Schnupfen, Allergien, Luftnot, Verdauungsproblemen, trockener Haut und Ängsten wieder.
So geht’s: Breitbeinig, locker hinstellen. Die Füße stehen parallel zueinander. Den Oberkörper anschließend mehrmals erst langsam, dann dynamischer nach rechts und links drehen. Anschließend die Arme anwinkeln, lockere Fäuste machen und die Arme mit in die Drehung einbeziehen. Mit der rechten Faust auf das Brustbein klopfen, wenn man sich nach links dreht. Zugleich klopft die linke Hand mit dem Handrücken auf die Lendenwirbelsäule. Dann die Richtung wechseln. Die Übung ca. 5 Minuten lang durchführen.